Der Mit­glie­der­zu­wachs im Geschäfts­jahr 2019 lag deut­lich über dem Mit­glie­der­zu­wachs des Vor­jah­res und lag auch deut­lich über dem Mit­tel der ver­gan­ge­nen fünf Jah­re. Ein Blick in die Ver­gan­gen­heit zeigt jedoch, dass der Mit­glie­der­zu­gang in den ein­zel­nen Jah­ren sehr stark schwan­ken kann. Pro­gno­sen sind nur schwer mög­lich. Die Suche nach den Ursa­chen gleicht einem Kaf­fee­satz­le­sen. Ob und inwie­weit die schon seit meh­re­ren Jah­ren durch den Berufs­stand betrie­be­ne poli­ti­sche Nach­wuchs­ge­win­nung Ein­fluss auf den Neu­zu­gang im Ver­sor­gungs­werk hat, kann nicht mit der Ver­läss­lich­keit gesagt wer­den, die für eine ver­bind­li­che Pro­gno­se­ent­schei­dung not­wen­dig ist. Für die nähe­re Zukunft ist aller Vor­aus­sicht nach mit grö­ße­ren Ver­än­de­run­gen in den Durch­schnitts­zah­len nicht zu rech­nen. Die Anzahl der Ver­sor­gungs­emp­fän­ger wird auf­grund des Alters­auf­baus, ins­be­son­de­re im Bereich der vor­ge­zo­ge­nen und regu­lä­ren Alters­ru­he­gel­der, in vor­her­seh­ba­rem Rah­men anstei­gen; hier­durch bedingt wird die Gesamt­zahl der akti­ven Mit­glie­der zukünf­tig weit­ge­hend sta­gnie­ren oder sogar lang­fris­tig leicht rück­läu­fig sein.

Einer beson­de­ren Beob­ach­tung bedarf regel­mä­ßig die Modi­fi­ka­ti­on der gesetz­li­chen Grund­la­gen für die Bei­trags­er­he­bung. In der nach­fol­gen­den Tabel­le sind die Ver­än­de­run­gen vom Jahr 2016 bis zum Jahr 2020 gegenübergestellt:

Die für 2020 durch den Gesetz­ge­ber fest­ge­leg­ten Para­me­ter für die Bei­trags­er­he­bung las­sen grund­sätz­lich kei­ne deut­li­chen Ver­än­de­run­gen im Bei­trags­auf­kom­men erwar­ten. Trotz des kon­stan­ten Bei­trags­sat­zes in Höhe von 18,6 % könn­te das Bei­trags­vo­lu­men aber­mals gering­fü­gig stei­gen, bedingt durch die Anhe­bung der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze. Vor­aus­set­zung wäre jedoch, dass sich kei­ne ganz wesent­li­chen Ver­än­de­run­gen im Mit­glie­der­zu­gang erge­ben. Infol­ge des sehr erfreu­li­chen Zugangs im Jahr 2019 ist es aber nicht unwahr­schein­lich, dass der Neu­zu­gang im nächs­ten Jahr gerin­ger aus­fällt, wodurch auch das Bei­trags­vo­lu­men sin­ken könnte.

Eine ver­läss­li­che Pro­gno­se der Bei­trags­ent­wick­lung für die Zukunft ist nicht mög­lich. Hin­ter­grund sind schwer ein­zu­schät­zen­de poli­ti­sche Unwäg­bar­kei­ten. Es wird zwar immer wie­der beteu­ert, den Bei­trags­satz sta­bil zu hal­ten. Ver­läss­li­che Aus­sa­gen über sei­ne Ent­wick­lung las­sen sich hier­aus aber nicht her­lei­ten. Poli­ti­sche Wil­lens­kund­ge­bun­gen las­sen heu­te die Ziel­set­zung erken­nen, den Bei­trags­satz bis zum Jahr 2020 unter 20 % zu hal­ten. Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de poli­ti­sche Pro­gno­se für den Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­trag besagt, dass bis zum Jahr 2030 der Bei­trag nicht über 22 % stei­gen soll.

Die Her­aus­for­de­run­gen, vor denen die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung infol­ge des demo­gra­fi­schen Wan­dels steht, spre­chen grund­sätz­lich für höhe­re Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge. Im Rah­men der sog. Agen­da 2010 kam es sei­ner­zeit daher zu einer ganz erheb­li­chen Aus­wei­tung der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der Ren­ten­ver­si­che­rung. Es ist aber nicht abseh­bar, ob es in Zukunft ver­gleich­ba­re poli­ti­sche Maß­nah­men geben wird. Wahr­schein­li­cher ist es, dass die Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge poli­tisch ideo­lo­gisch moti­viert nied­rig gehal­ten werden.

Unkal­ku­lier­bar sind ande­re poli­ti­sche und ins­be­son­de­re stark ideo­lo­gisch gepräg­te Ent­schei­dun­gen, die auf die Mit­glie­der­struk­tur der berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­wer­ke Ein­fluss neh­men. Seit Jah­ren wird durch inter­es­sier­te Krei­se ver­sucht, Mit­glie­der aus den berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­wer­ken zuguns­ten der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung aus­zu­glie­dern. Das betrifft ins­be­son­de­re alle ange­stell­ten Mit­glie­der in den Versorgungswerken.

Vor die­sem Hin­ter­grund, und im Hin­blick auf die Pro­gno­se der Mit­glie­der­zah­len all­ge­mein sowie auf die der­zeit poli­tisch ange­streb­ten Bezugs­grö­ßen in der Sozi­al­ver­si­che­rung und die wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für den Berufs­stand, ist nach der­zei­ti­gen Erkennt­nis­sen lang­fris­tig allen­falls von einem sta­gnie­ren­den Bei­trags­auf­kom­men auszugehen.

Beängs­ti­gend ist nach wie vor der Rück­gang der Zahl der selb­stän­di­gen Mit­glie­der, die in der Regel die all­ge­mei­ne Ver­sor­gungs­ab­ga­be in die Apo­the­ker­ver­sor­gung abfüh­ren. In den ver­gan­ge­nen 10 Jah­ren hat die Apo­the­ker­ver­sor­gung Schles­wig-Hol­stein weit über 100 selb­stän­di­ge Mit­glie­der ver­lo­ren. Zum 31. Dezem­ber 2018 ist die Zahl unter 500 abge­sun­ken. Zum 31. Dezem­ber 2019 wur­den wei­te­re 10 Mit­glie­der ver­lo­ren. Ursa­che die­ses Rück­gan­ges ist der Umstand, dass die Apo­the­ken­be­trie­be, die von älte­ren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen am Markt plat­ziert wer­den, viel­fach von jün­ge­ren Betriebs­er­laub­nis­in­ha­bern erwor­ben und als Fili­al­be­trieb wei­ter­ge­führt wer­den. Hin­zu kommt die aktu­el­le Ent­wick­lung, dass immer mehr Apo­the­ken­be­trie­be schlie­ßen, weil sie nicht ver­äu­ßert wer­den kön­nen. In der Flä­che wer­den kei­ne neu­en Apo­the­ken gegrün­det. Das wirt­schaft­li­che Risi­ko wird gescheut. Die­se Ent­wick­lung hat das Poten­zi­al, das in der Ver­si­che­rungs­ma­the­ma­tik zu berück­sich­ti­gen­de Bei­trags­auf­kom­men zu belas­ten. Es feh­len zuneh­mend Mit­glie­der, die die all­ge­mei­ne Ver­sor­gungs­ab­ga­be in das Ver­sor­gungs­werk abfüh­ren. Die Zahl der Ent­wick­lung der selb­stän­di­gen Mit­glie­der, wie sie auf Sei­te 6 dar­ge­stellt ist, belegt das ganz eindrucksvoll.

In der Vor­aus­schau auf das Jahr 2020 ist aller Vor­aus­sicht nach mit einem schlech­te­ren Jah­res­er­geb­nis zu rech­nen. Das liegt zum einen dar­in begrün­det, dass das Jah­res­er­geb­nis 2019 posi­tiv durch Son­der­ef­fek­te unter­stützt wor­den ist. Das liegt zum ande­ren aber ins­be­son­de­re dar­in begrün­det, dass die Coro­na Pan­de­mie den Kapi­tal­markt nach dem Schluss des Geschäfts­jah­res auf Tal­fahrt geschickt hat. Die mög­li­cher­wei­se ein­ge­tre­te­nen Wert­ver­lus­te sind noch nicht abzuschätzen.